Implosionen

Samstag, 18. Dezember 2004

Frage in die Runde

Frage an meine Leser, an dich.
Jetzt überlege ich schon seit längerer Zeit, ob es denn Sinn machen würde, ein zweites Blog zu eröffnen. Es wurde bereits in Kommentaren zu diversen Beiträgen diskutiert, wie es denn wäre, eine depaundauns bereitzustellen, die sich vornehmlich mit Literarischem auseinandersetzte.
Es wäre gar nicht eine Zweitadresse meines Freilachs, sondern eher jene meines Schreibgewerbes, das ich in erster Linie und zum Zwecke des Geldverdienens betreibe. Aber das tut eigentlich nichts zur Sache, denn was wie und wo meinem Gefühl nach zwischen privat und öffentlich liegt, wird kaum wen interessieren.

Was ich mir wünschen würde, das wäre ein Weblog, in das nicht nur ich, sondern auch andere Interessierte literarische Beiträge schreiben könnten/sollten.
Ich fände es auch interessant, hierbei die Kommentarfunktion für kritische Auseinandersetzungen (was natürlich nicht todernst heißen muss ;-)) zu nutzen.

Nun. Kann sein, dass es eine gute Idee ist, kann auch sein, dass es totaler Blödsinn ist. Aber da mir scheint, dass es bei twoday so etwas noch nicht gibt, frage ich dich, ob Raum, Interesse für ein derartes Vergnügen bestünde.
Sei es um zu lesen.
Sei es um beizutragen.

Dienstag, 14. Dezember 2004

Die Aufständischen

Ja, es gibt Revolutionen:
Herzdebakelimplosionen
Frustomateninvasionen
Nebelzeitgenerationen.
Sie verschonen
weder dich
noch mich.
Aber
schlimmer
kommt’s immer
da! Ein Wanken!
Inspiratioabdeckplanken
Mittelhirnumwachsungsranken
Geistesblitzverschließungsschranken
Jausensemmerl für Gedanken?

(wo kämen wir da hin?
das wär ja noch schöner!)

Diese eure schnöde Auszeit
nennt sie nur Ideenfreiheit!

Donnerstag, 9. Dezember 2004

Weihnachtswunder

Weihnachtsmann, sag mir doch bitte
was versteckt sich hinterm Barte
und dort unten, in der Mitte?
Zieh dich nur rasch um. Ich warte.

Ho ho ho, er eilt geschwinde
und ich reibe schon die Hände,
nicht vor Kälte, ganz gelinde
mal gesagt, in Richtung Lende.

Als mein Liebster sich entschlossen,
dieses Jahr ganz unverdrossen
weihnachtsmännlich zu entzücken,
dacht ich mir, so in mir drinnen,
lass ich mich auch gern beglücken:
Weihnachten mit allen Sinnen.

Send ihm heimlich Liebesschwüre,
denk, wo bleibt er, ich will Sex!
Und dann, endlich, durch die Türe
kommt er. Mist. Das ist mein Ex.

Psychogramm einer Lesenden

Es ist halb acht im zum Bersten gefüllten Trauungssaal der hiesigen Gemeinde. Preisverleihung und Lesung anlässlich des Minna Kautsky Literaturwettbewerbs 2004. Jede Menge Mut im Gepäck – ich hätte mir niemals gedacht, dass ich Autosuggestion so erfolgreich an mir anwenden kann – setze ich mich in die erste Reihe, flankiert vom 3. Platz Prosa und meiner besten Freundin, der Radiolady, meinem weiblichen literarischen Über-Ich, mit der ich am Vortag zwei Stunden lang per Telefonkonferenz das Lesen geübt hatte, um den vorzutragenden Versen stimmlich stimmigen Ausdruck einzuverleiben. Lyrik ist sauschwer.
Ich traue meiner inneren Ruhe nicht über den Weg. Was, wenn sich mein Geist im letzten Moment doch noch ausdächte, auf nö-hier-spiel-ich-nicht-mit umzuschalten? Nein, soll er nicht, wird er nicht. Die Musik setzt ein. Jetzt geht’s los. Herzrasen. Scheiße, was mach ich hier?
Die Musik ist eins zu eins auf die psychische Verfassung der Leserinnen abgestimmt, harmonisierend. Ebenso die Ausstattung des Saals, mit viel Mut zu rosa, pink und violett, das jedoch dank intelligentem Arrangement überhaupt nicht kitschig oder etwa grell anmutet. Es folgen Reden und Danksagungen, ich rechne mir aus, dass ich um halb neun drankommen werde, schwanke zwischen aufmerksam wohlwollendem Zuhören und der Konzentration auf meinen Mut: Weiche ja nicht von meiner Seite! Die Stadträtin äußert sich zu den beruflichen Benachteiligungen der Frauen, ich denke an „Weiberaufstand“ und muss grinsen.
Dritter Platz Lyrik, die Lesung beginnt. Die Dame, die bei der Probelesung so geholpert hatte und vorhin so extrem aufgeregt war, transportiert ihre Texte souverän in die Köpfe der Zuhörer. Alle Achtung, Respekt mischt sich mit Angst. Applaus, Blumen und Geschenke. Es folgt der dritte Platz Prosa, ich lächle meine sich umständlich erhebende Nachbarin aufmunternd an, wir sitzen doch alle in einem Boot. Ihre beruhigende Stimme tut gut. Wieder Applaus und Geschenke.
Jetzt bin in dran. Von meinem Platz aus ist es nicht weit bis zum rosa Tischchen. Ich schreie mir innerlich zu: Freilich, du alte Rampensau, jetzt zeigen wir denen, wo der Bartl den Most holt! Ein wenig geniert lasse ich die Einleitung samt Huldigungen der Moderatorin über mich ergehen, und dann geht’s los. Das Mikro ist zu weit weg, doch der Feuerwehrmann gleich zur Stelle (hab ich schon mal erwähnt, dass ich Feuerwehrleute besonders mag?). Ich beginne mit „Lebensland“. meine Stimme zittert, so ein Mist, ich kann es nicht abstellen, hoffentlich hört es keiner. Warum zittert eine Stimme, wenn der Rest des Körpers gar nicht so arg aufgeregt ist? Bei „Eine Reise…“ verlange ich mir bereits eine Portion Feelingtransport ab. Kann man aus Gesichtern lesen, erahnen, ob die Botschaft angekommen ist? Schwer zu sagen. Dann kommt „Kernkraft“, das erfreulicherweise ganz leicht von der Hand geht, gefolgt von den letzten beiden, die am schwersten zu lesen sind. Satire fordert am meisten, Mut zur Übertreibung, fast schon Schauspielerei. Ich versuche die Übergänge zwischen Liebesgesäusel und Abgebrühtheit hinzubekommen, in mir kneippt es ordentlich. Und dann als letztes, wie es die Damen vom Frauenreferat gewünscht hatten, den „Weiberaufstand“. Ihre Pointe, das heimliche Siegergedicht? Ich scheiß mich gar nichts mehr, sollen die doch ihren Spaß haben – und blöke Frauenparolen und lasse es mir nicht nehmen und trau mich sogar, die letzten Verse mit Blickkontakt zum Publikum und einem süffisanten Grinser ins Volk zu schmeißen: Fairness ist erreicht/wenn ein Mann erbleicht/weil ein dummes Weib/im Chefsessel sitzt. Sie quittieren es mit johlendem Gelächter, ich bin zufrieden. Geschafft. Applaus.
Geschenke, ein Weihnachtsstern. Die Stadträtin flüstert mir zu: Mögen Sie überhaupt Weihnachtssterne? Ich denke, Scheiße, woher weiß sie das, wieso fragt sie das und lüge: Klar doch.
Den Rest der Lesung kann ich entspannt genießen. Dann, am reichhaltigen Buffet, werde ich plötzlich von fremden Leuten angesprochen und darf mir salbungsvolle Worte anhören. Die Stimmung ist berauschend, voller Wohlwollen, Freude, Gelächter, zum Weitermachen aufmunternder Worte. Einfach schön.
Und den Weihnachtsstern, der jetzt mein Vorzimmer ziert, habe ich Minna getauft.

Dienstag, 7. Dezember 2004

lang ist es her

Am 2. Dezember 1978, da war ich noch ziemlich jung, und vor allem klein.
Meine Patentante schickte mir unlängst einen kleinen, vergilbten Zettel, auf den ich damals bei ihr daheim mein allererstes, kindlich holpriges Gedichtlein gekritzelt hatte. Ich habe mich sehr gefreut über dieses nette Erinnerungsstück:


Advent

Advent ist heute,
bedenkt es, liebe Leute!
Ein Kerzlein brennt
bevor alles pennt.

Mit Lebkuchen und Marzipan,
hei! Wir knuspern lustig dran!
das zweite Kerzlein brennt so hell,
dann in die Heia, aber schnell!

Der hl. Nikolaus ist bald vergessen,
Äpfel und Nüsse sind längst aufgegessen.
Drei Kerzlein brennen, oh wie schön!
Das Christkind weilt noch in den Höh’n.

Vier Kerzlein leuchten in unserer Mitte,
und wir haben nur eine Bitte:
laß das Christkind kommen
zu uns Frommen!

Freitag, 3. Dezember 2004

Letztes Siegergedicht

Eines fehlte noch. Eigentlich wollte ich es unter den Tisch kehren, weil Feministinnengeschrei nicht so meine Sache ist. Doch die Jurorinnen haben sich mit der nun folgenden Reimerei besonders anfreunden können, wollen sie doch tatsächlich, dass ich dieses nächsten Dienstag als letztes lese. Weil es so schön nachhallt innerlich. Ja, lachen Sie nur, ich tat es auch.
Warum bloß schreibt Frau Freilich solche Gedichte? Nun, es war der 8. März und Monsieur Schmafu ließ es sich nicht nehmen, sich flegelhaft zum Weltfrauentag zu äußern. Dieser Umstand forderte eine Retourkutsche, eh klar, oder?

weiberaufstand


Weiberaufstand

Ich bin die Jeanne d’Arc
vom Grazer Stadtpark!
So ruf ich euch auf
entsagt altem Brauch…

Nehmt Waffen zur Hand
Frauen braucht das Land,
Beschützerinnen
kommend von hinnen
zerschlagen erbost
den Töchtern zum Trost
das System von innen
Revoluzzerinnen.

Streik in der Küche?
Ehen in Brüche?
Nein, ihr seid bereit
für Gerechtigkeit.

Nun, Frauen:
Opfert euren Leib
(wird er auch aufgeschlitzt)
Fairness ist erreicht
wenn ein Mann erbleicht
weil ein dummes Weib
im Chefsessel sitzt.

Freitag, 26. November 2004

heute Nummer drei

?? Keine Ahnung was hier los ist, ist das eine neue Mode? Extreme Beiträge kapping?
Oiso, voll retro, von vier auf drei, bitte sehr, wieder eins der Gedichte, das ich beim verserl contest einsandte.

Kernkraft

Wer weiß, bin ich noch nicht geboren?
Vielleicht sind diese Lebensbilder
ein Traum des Geistes nur, verloren
irgendwo in einer Ewigkeit,
der wir uns nicht besinnen
in dieser einen Zeit?

Gefangen will ich sein, manchmal
verschlossen dort im Kern des Seins
gelange hin durch Wolken und Narzissen
ganz tief und tiefer noch, denn eins
ist alles hier. Nicht zu benennen
der Ort, den wir wohl alle kennen.

Und doch so frei, und weit, unendlich
kann gleiten, raumlos: innen, außen?
Wer fragt schon nach dem wo und wann,
nach Grenzen, wenn er sehen kann,
dass Hirngespinste bloß und Flausen -
Barrieren sind, schlicht undimensional.

So wandert alles Eins weit auseinander
und weiter, immer - und zugleich
vereint es wundersam sich wieder
zu einem ewigen Bereich.
Wie gern möcht mancher das verstehen
doch - wozu im Glück das Glück denn sehen?

Mittwoch, 24. November 2004

wie versprochen, nummer vier

Kneipp for Lovers

Welch ein wohlig warmes Wiegen
unsrer Seelen! Wie zwei Wolken,
die sie dort im Gleichklang fliegen,
ziemlich mutig, dreist und tollkühn.

Und welch ungeheures Schaukeln!
Wir gebärden uns wie Schalken…
dann ist plötzlich Schluss mit gaukeln,
Landeanflug. Und die Balken

biegen sich und brechen, krachen:
Schuldzusprüche, und natürlich
Liebesentzug, und das Lachen,
das vergeht uns, unwillkürlich.

Und die schönen Liebesbriefe
landen heiß im Ofen, schreien
könnten beide: intensive
Lust, einander zu verzeihen.

Ist das Unheil dann vertrieben,
sind vergessen alle Laster.
Ewig werden wir uns lieben.
Bis zum nächsten Herzdesaster.

Was wir stetig uns bescheren,
einmal Leidenschaft, dann Kühle,
lässt sich anders nicht erklären:
Wechselbäder der Gefühle.

was zieh ich bloß an

bei dieser Ehrung?
Grad eben kramte ich ein nettes T-Shirt aus meiner Lade, auf dem steht: "some girl are born winners"
Das sollt ich wohl nehmen, oder? hihi

Übrigens, unter "Implosionen" finden sich ein paar von den Gedichten, die ich einsandte (weil danach gefragt wurde), und zwar Lebensland, Eine Reise... und m.m.m.
Die anderen drei stell ich euch nach und nach rein, wenns wollts.

Übrigens, die zweite: Was mich persönlich besonders freut, ist die Tatsache, dass trotz Ära der Reimlosigkeit in der Lyrik es doch gelungen ist, mit gereimten Gedichten zu reüssieren. Ich hatte nämlich ziemlich gehadert, ob ich nun extra neue Gedichte ohne Reim schreiben und einsenden sollte, um sozusagen mit der Mode zu gehen - oder eben idealistisch bleiben und das hinschicken, was mir gefällt.
Hat sich ausgezahlt. :-)

Montag, 22. November 2004

lyrische schwangerschaft

vor ziemlich genau neun monaten begann ich mich ernsthaft für lyrik bzw. deren produktion zu interessieren. es folgten erste holperverslein und nach und nach sammelten sich an die vierzig mehr oder weniger brauchbare gedichte in meinem ordner.
und heute, ja heute, wurde ich angerufen und man teilte mir mit, dass ich den zweiten preis bei einem lyrikwettbewerb, den das frauenreferat unserer stadt ausgeschrieben hatte, gewonnen habe.
es richtete sich zwar nur an frauen und beschränkte sich nur auf einwohnerinnen unserer stadt, aber jetzt bin ich dennoch stolz auf mein, sozusagen, erstgeborenes.
ich muss schon zugeben, dass meine erste reaktion - glücklicherweise hab ich nicht laut scheiße ins telefon geschrien - keine erfreute war, da mir die vorstellung, in einem rathaussaal vor vielen leuten lyrik, die ich noch dazu selber geschrieben habe, vorzulesen, nicht recht behagen will. Und das ist noch euphemistisch ausgedrückt, mir graut davor.
glücklicherweise stellte sich dann bald doch ein du-wirst-es-schon-hinkriegen-gefühl ein und - think pink - vielleicht versammeln sich dort ja auch ein paar pressefritzen und drucken den namen dann sogar hier oder dort ab.
pablissiti schod nie!

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«Ein Mann im Haus...
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...und ich versuchs gar nicht ! Grüße Lars //schr eibnetz.twoday.net/ http:/ /schreibnetz.de Tschüss Pr obleme...
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Nun ist der Zusammenhang...
...und ich versuchs gar nicht ! Grüße Lars //schr eibnetz.twoday.net/
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punkt 1: soviel stress wegen etwas, das die natur auch...
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von einem eingefleischen...
ist das ja schier ein Kompliment
freilich - 8. Mär, 12:18

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